Calcium ist einer der mengenmäßig wichtigsten Mineralstoffe im Körper von Milchkühen und gleichzeitig derjenige, dessen Versorgung rund um die Kalbung am häufigsten kritisch wird. Ein Verständnis des Calciumhaushalts ist deshalb Grundlage für jede wirksame Prophylaxe gegen Milchfieber und Folgeerkrankungen.
Calcium ist weit mehr als ein Knochenbaustein. Im Körper der Kuh übernimmt es eine Vielzahl lebensnotwendiger Aufgaben:
| Funktion | Bedeutung für die Kuh |
| Muskelkontraktion | Steuerung der Gebärmuttermuskulatur, Pansenmotorik, Herzmuskel |
| Immunsystem | Aktivierung von Immunzellen und Abwehrreaktionen |
| Blutgerinnung | Bildung von Komplexen mit Phospholipiden und Gerinnungsfaktoren |
| Hormonausschüttung | Sekretion verschiedener Hormone aus Drüsenzellen |
| Milchbildung | Direkte Komponente der Milch (ca. 1,25 g Calcium pro Liter) |
| Knochenstabilität | Aufbau und Erhalt der Knochensubstanz |
| Zellmembranfunktion | Permeabilität und Erregbarkeit der Zellmembranen |
| Verdauung | Aktivierung des proteolytischen Enzyms Trypsin im Verdauungstrakt |
Besonders die Muskelkontraktion ist im Kontext der Kalbung entscheidend: Ohne ausreichend Calcium kann die Gebärmutter nicht kräftig genug kontrahieren, was das Risiko für Nachgeburtsverhaltung und Schwergeburt erhöht. Auch der Zitzenschluss ist calciumabhängig – ein Calciummangel öffnet buchstäblich das Tor für Mastitiserreger.
Drei Hormone steuern den Calciumhaushalt. Diese werden je nach Blutcalciumspiegel aktiviert oder gehemmt:
Dieses Hormonsystem funktioniert unter normalen Bedingungen sehr präzise. Rund um die Kalbung gerät es jedoch regelmäßig unter Druck, weil der Calciumbedarf innerhalb kürzester Zeit stark ansteigt und die Anpassungen der hormonellen Regulationsmechanismen 2 bis 3 Tage benötigen.
Der Calciumbedarf einer Milchkuh ist erheblich und steigt mit der Milchleistung:
Für die Produktion von 10 Litern Kolostrum werden 25 - 40 g Calcium benötigt. Das entspricht der neun-bis fünfzehnfachen Calciummenge des gesamten Blutplasmas. Das verdeutlicht, wie dramatisch der Calciumabfluss unmittelbar nach der Kalbung ist.
In den ersten Wochen der Laktation mobilisieren Milchkühe mehrere Kilogramm Knochensubstanz, welche hauptsächlich aus Calciumphosphat besteht. Dieser Verlust wird in der späteren Laktation zwar wieder ausgeglichen, belastet aber den Körper in der ohnehin kritischen Transitphase erheblich.
Mit dem Einsetzen der Laktation steigt der Calciumbedarf der Kuh drastisch an. Gleichzeitig ist die Calciumaufnahme aus dem Futter und die Mobilisierung aus dem Knochen zunächst begrenzt, weil das Hormonsystem Zeit braucht, sich anzupassen.
Das Ergebnis: Bei fast allen Kühen sinkt der Blutcalciumspiegel nach der Kalbung ab. Je nach Ausmaß dieses Abfalls unterscheidet man:
Die subklinische Form ist besonders tückisch: Da keine offensichtlichen Symptome auftreten, bleibt sie in vielen Betrieben unerkannt, obwohl sie erhebliche wirtschaftliche Folgen hat.
Calciummangel wirkt sich auf nahezu alle Körpersysteme aus. Das Risiko für folgende Erkrankungen ist bei vorherigem Calciummangel deutlich erhöht:
| Erkrankung | Mechanismus |
| Mastitis | Calciummangel vermindert den Zitzenschluss, Bakterien können leichter eintreten. Das Mastitisrisiko steigt um das 8-Fache. |
| Ketose | Sinkende Futteraufnahme durch Calciummangel erhöht die Körperfettmobilisation und damit das Ketoserisiko. |
| Metritis | Verminderte Uteruskontraktion durch Calciummangel begünstigt Gebärmutterentzündungen. |
| Nachgeburtsverhaltung | Muskelkontraktionen für die Nachgeburtsablösung sind calciumabhängig. |
| Labmagenverlagerung | Verminderte Pansen- und Darmmotorik durch Calciummangel begünstigt die Verlagerung. |
| Schwergeburt | Unzureichende Uteruskontraktion unter der Geburt. |
Auch die Wiederkauaktivität leidet unter Calciummangel: Studien zeigen, dass Kühe mit subklinischem Calciummangel am Tag der Geburt rund 77 Minuten weniger wiederkauen als calciumversorgte Kühe – ein Rückgang von ca. 30 %. Am Folgetag lag das Wiederkauen noch immer um rund 55 Minuten (ca. 15 %) unter dem Normalwert. Die Folge ist eine beeinträchtigte Pansenfunktion in der ohnehin kritischsten Phase der Laktation.
Da der Calciumbedarf rund um die Kalbung sehr hoch ist, setzt eine wirksame Prophylaxe bereits vor der Kalbung an. Bewährte Strategien sind:
Fütterungsmanagement in der Transitphase: Saure Salze oder Phosphorbinder aktivieren die Knochenmobilisation in der Trockenstehphase, wodurch zur Kalbung schon vermehrt Calcium frigesetzt wird. Beide Strategien müssen regelmäßig an die wechelnden Futterzusammensetzungen angepasst werden. zusätzlich muss eine hohe Futteraufnahme abgesichert sein.
Orale Calciumpräparate um den Kalbungszeitraum: Die Gabe von Calciumpräparaten in Form eines Bolus rund um die Kalbung ist eine der am häufigsten eingesetzten Prophylaxemethoden. Dabei ist die Calciumquelle entscheidend: Verschiedene Calciumverbindungen unterscheiden sich erheblich in Bioverfügbarkeit, Aufnahmeort im Magen-Darm-Trakt und der tatsächlich bereitgestellten Calciummenge.
Welche Calciumquellen eignen sich am besten für Kühe?Calciumverbindungen unterscheiden sich deutlich in Bioverfügbarkeit, Aufnahmeort im Magen-Darm-Trakt und der tatsächlich bereitgestellten Calciummenge. Da Calcium schnell benötigt wird, ist es sinnvoll Calciumverbindungen zu wählen, die schon im Pansen bei neutralem bis leicht saurem pH-Wert lösen, so wie sie der PerformaNat CalciumBolus bietet.
Wann sollte ein Calciumbolus gegeben werden?Da der Calciumbedarf unmittelbar schon vor der Kalbung durch einsetzende Kolostrumproduktion drastisch ansteigt, wird die orale Calciumgabe in der Regel direkt vor der Kalbung (ca. 4 bis 12 Stunden vor Kalbung) eingesetzt. Danach sollte die Gabe direkt nach der Geburt und in den folgenden 2 Tagen wiederholt werden, damit ausreichend Calcium vorhanden ist und die Kuh in keine Versorgungslüke fällt. So lässt sich die kritische Phase abdecken, bevor der körpereigene Regelkreis aus Parathormon und Calcitriol nach 2-3 Tagen nach Kalbung vollständig greift.
Was sind die häufigsten Stoffwechselerkrankungen bei Milchkühen und wodurch entstehen sie?Zu den häufigsten Erkrankungen zählen Milchfieber (Hypocalcämie), Ketose, Mastitis, Metritis und Labmagenverlagerung. Sie entstehen häufig in Kombination, weil Calciummangel rund um die Kalbung als Treiber für mehrere dieser Erkrankungen gleichzeitig wirkt: Er vermindert die Muskelkontraktionsfähigkeit, schwächt das Immunsystem und reduziert die Futteraufnahme.
Warum treten Stoffwechselstörungen besonders rund um die Kalbung auf?In der Transitphase steigt der Calciumbedarf durch die einsetzende Kolostrumproduktion und die Milchbildung innerhalb weniger Stunden drastisch an. Das Hormonsystem zur Calciumregulation braucht Zeit, um sich anzupassen. In dieser Lücke zwischen Bedarf und Verfügbarkeit sinkt der Blutcalciumspiegel, was Folgeerkrankungen begünstigt. Zusätzlich sind die Tiere vielen Stressfaktoren wie Geburt, Gruppenwechsel, Futterwechsel und Änderungen in den täglichen Routinen ausgesetzt, was den Körper zusätzlich belastet.
Woran erkenne ich frühzeitig Stoffwechselprobleme durch Calciummangel bei Kühen?Subklinischer Calciummangel zeigt keine sichtbaren Symptome, lässt sich aber z.B. an der Wiederkauaktivität ablesen: Kühe mit Calciummangel kauen am Tag der Kalbung rund 30 % weniger wieder als normal versorgte Tiere. Weitere frühe Hinweise sind reduzierte Futteraufnahme, verlangsamte Pansenmotorik und geringere Bewegungsaktivität. Wiederkausensoren können helfen, diese Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Kann ich einen subklinische Calciummangel im Blut messen?Der Calciumgehalt einer Blutprobe kann im Labor analysiert werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Calciumwert im kalbenahen Zeitraum einer starken Dynamik unterliegt, welche sich bei einzelnen Tieren stark unterscheidet. So haben einige Tiere ihren niedrigsten Calciumwert direkt zur Geburt, erst nach 12 oder sogar 36 Stunden. Entsprechend hilft ein einzelner Wert kaum in der Beurteilung, ob die Kuh ausreichend versorgt ist, noch vom Calciumwert abfällt oder sich schon wieder erholt.