Wie jedes Jahr freuen wir Menschen uns auf den Sommer. Abends gemütlich draußen sitzen, warme Temperaturen genießen. Doch während wir uns über Hitze freuen, leiden Milchkühe darunter erheblich. Hitzestress ist im Zuge des Klimawandels ein wachsendes Problem im Milchviehbetrieb und seine Folgen sind weitreichender, als sie auf den ersten Blick erscheinen.
Milchkühe geraten bereits ab einer Umgebungstemperatur von 24 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 70 % in Hitzestress, ihre Wohlfühltemperatur liegt zwischen 4 °C und 16 °C.
Hitzestress reduziert die Futteraufnahme, hemmt die Wiederkauaktivität und kann die Milchleistung deutlich senken.
Eine Praxisstudie mit über 5.700 Abkalbungen zeigt: Hitzestress führte zu bis zu 3 kg weniger Milch pro Kuh und Tag, einem um 5 bis 10 % geringeren Besamungserfolg und rund 6 % mehr Abgängen aus der Herde.
Auch Kälber sind betroffen: Heiße Sommer können das Immunsystem schwächen und langfristig das Erstkalbealter verzögern.
Mit gezielten Haltungs-, Fütterungs- und Managementmaßnahmen lässt sich Hitzestress wirksam reduzieren.
Die thermoneutrale Zone von Milchkühen, also der Temperaturbereich, in dem der Körper die Temperatur ohne Mehraufwand konstant halten kann, liegt zwischen 4 °C und 16 °C. Ab einer Umgebungstemperatur von 16 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 70 % beginnt Hitzestress. Für die Beurteilung wird häufig der Temperatur-Feuchte-Index (THI) genutzt: Ab einem THI von 68 bis 72 sprechen Fachleute von beginnendem Hitzestress für Milchkühe.
Erschwerend kommt hinzu: Hochleistende Milchkühe produzieren durch ihre intensive Stoffwechselaktivität selbst enorme Mengen Körperwärme. Im ersten Laktationsdrittel haben Milchkühe eine Wärmeabgabe von rund 1.500 Watt, was in etwa der Leistung eines größeren Heizkörpers entspricht. Steigen die Außentemperaturen, können sie diese Wärme kaum noch loswerden.
Kühe, die unter Hitzestress leiden, zeigen ein verändertes Verhalten, das sich mit Aufmerksamkeit gut beobachten lässt:
| Verhaltensänderung | Erklärung |
| Erhöhte Atemfrequenz, Hecheln | Versuch, über die Atemwege Wärme abzugeben |
| Vermehrtes Stehen, weniger Liegen | Größere Körperoberfläche im Stehen erhöht Wärmeabgabe |
| Reduzierte Futteraufnahme | Verstoffwechselung von Futter erzeugt Körperwärme |
| Gehemmte Wiederkauaktivität | Folge der reduzierten Futteraufnahme |
| Verstärktes Trinken | Ausgleich des erhöhten Wasserverlustes |
| Weniger Brunstverhalten | Hitzestress beeinträchtigt das Reproduktionssystem |
Bereits eine Erhöhung der Körperkerntemperatur um nur 0,5 °C führt dazu, dass Kühe deutlich mehr stehen und weniger liegen. Das wiederum verschlechtert das Wiederkauverhalten und erhöht den Energieverbrauch.
Die Folgen von Hitzestress gehen weit über sichtbare Verhaltensänderungen hinaus. Eine retrospektive Praxisstudie aus Zentral-Kalifornien, die Daten von über 5.700 Abkalbungen aus zwei Milchkuhherden über drei Jahre auswertete, zeigt das Ausmaß:
Jungkühe mit Hitzestress vor oder nach der Kalbung erzeugten in den ersten 90 Laktationstagen 178 kg weniger Milch als Kühe ohne Hitzestress. Bei Mehrkalbskühen lag der Rückgang bei 269 kg in den ersten 90 Laktationstagen, was einem Abfall von bis zu 3 kg pro Kuh und Tag entspricht.
Hitzestress nach der Kalbung war bei Jungkühen mit einer deutlichen Verringerung des Erstbesamungserfolgs verbunden.
Eizellen können bereits 105 Tage vor dem Eisprung durch Hitzeeinwirkung geschädigt werden. Hitzestress kann außerdem zu Zysten an den Eierstöcken und häufigem Umrindern führen.
Hitzestress erhöht die Anfälligkeit für Mastitis und Metritis, da Wärme einerseits günstige Bedingungen für Krankheitserreger schafft und andererseits die Immunabwehr der Tiere supprimiert. Die geringere Futteraufnahme bei Hitzestress reduziert außerdem die Speichelproduktion, was den Pansen-pH destabilisiert und das Azidoserisiko erhöht. In der Studie führe Hitzestress zu rund 6 % mehr Abgängen aus der Herde innerhalb der ersten 90 Laktationstage.
Ja und das wird oft unterschätzt. Kälber können ihre Körpertemperatur deutlich schwieriger regulieren als erwachsene Kühe. Die optimale Umgebungstemperatur für unter drei Wochen alte Kälber liegt zwischen 15 °C und 25 °C. Studien zeigen, dass heiße Sommer bei Kälbern das Immunsystem schwächen und langfristig sogar das Erstkalbealter verzögern können. Während des Heranwachsens nimmt die Wärmetoleranz weiter ab, und Daten belegen eine schlechtere Wachstumsleistung von Färsen bei heißem Wetter.
Gegen Hitzestress gibt es eine Reihe gut belegter Maßnahmen aus Haltung und Fütterung:
Neben diesen Maßnahmen kann der PerformaNat EnergieBolus helfen, das erhöhte Ketoserisiko während Hitzestressperioden abzufangen.
Für die Fruchtbarkeit bietet der PerformaNat ReproBolus Unterstützung vom Zeitpunkt der Follikelreifung bis zur erfolgreichen Einnistung. Durch seine kontrollierte Freisetzungsdauer von 28 Tagen versorgt er die Kuh kontinuierlich mit Vitamin A, Beta-Carotin, Spurenelementen und phytogenen Wirkstoffen.
Die ersten Anzeichen sind erhöhte Atemfrequenz, Hecheln, vermehrtes Stehen und eine sichtbar reduzierte Futteraufnahme. Bereits eine Erhöhung der Körperkerntemperatur um 0,5 °C verändert das Steh- und Liegeverhalten messbar. Aktivitätssensoren können helfen, diese Veränderungen automatisiert zu erkennen, bevor wirtschaftliche Schäden entstehen.
Die wirksamsten Maßnahmen kombinieren Haltung und Fütterung: Ventilatoren ab 18 bis 20 °C Stalltemperatur, Kuhdusche ab 24 °C, optimierte Wasserversorgung, erhöhte Mineralstoffgaben und eine angepasste Ration mit höherer Energiedichte. Gezielte Futterzusätze wie Natriumbicarbonat stabilisieren den Pansen-pH. Entscheidend ist, dass Maßnahmen rechtzeitig vor dem Eintreten von Hitzestress umgesetzt werden.
Die wirtschaftlichen Folgen von Hitzestress sind erheblich. Studien belegen bis zu 3 kg weniger Milch pro Kuh und Tag, einen um 5 bis 10 % geringeren Besamungserfolg und rund 6 % mehr Abgänge aus der Herde. Hinzu kommen erhöhte Behandlungskosten durch Mastitis, Metritis und Stoffwechselstörungen. Investitionen in Hitzeschutz rechnen sich daher in den meisten Betrieben.