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Können Kühe schwimmen? Mythos, Fakten & Hitzestress | PerformaNat

Geschrieben von David Manneck | 28.07.2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Kühe können schwimmen. Sie meiden Wasser in der Regel, sind dazu aber körperlich in der Lage.
  • Der verbreitete Mythos, dass Rinder im Wasser untergehen, ist sachlich falsch.
  • Wasserbüffel, nahe Verwandte der Hausrinder, suchen Wasser dagegen aktiv auf und gelten als sichere Schwimmer.
  • Historisch wurden Rinderherden auf amerikanischen Viehtreibrouten durch Flüsse getrieben, bekannt als „Big Swimming".
  • Kühe gehen gerade bei Hitze ins Wasser: Milchkühe geraten bereits ab 24 °C und 70 % Luftfeuchtigkeit in Hitzestress. Wer gegensteuern will und keine Badestelle hat, setzt auf angepasste Stallbelüftung, gezielte Fütterung und ergänzende Energieversorgung.

Ja, Kühe können schwimmen. Geraten Rinder ins tiefere Wasser, paddeln sie sich mit allen vier Beinen selbstständig hindurch. Der weit verbreitete Mythos, dass Rinder im Wasser untergehen, ist sachlich falsch. Dieser Artikel klärt, was hinter dem Schwimmverhalten von Rindern steckt, wie es sich vom Verhalten nahe verwandter Wasserbüffel unterscheidet und was das mit einem der drängendsten Sommerprobleme im Milchviehbetrieb zu tun hat: Hitzestress.

Warum können Kühe schwimmen?

Wie die meisten Säugetiere besitzen Rinder natürlichen Auftrieb. Entscheidend ist dabei ihr großes Lungenvolumen, das den Körper im Wasser trägt. Geraten Rinder ins tiefere Wasser, setzen sie instinktiv koordinierte Beinbewegungen ein und halten Kopf und Hals sicher über der Oberfläche. Diese Fähigkeit ist nicht erlernt, sondern ein natürlicher Reflex. Wie bereitwillig ein Tier ins Wasser geht, ist dabei individuell verschieden. Auf der Weide nutzen Rinder flache Gewässer bei Hitze gelegentlich zur Abkühlung, ins Tiefe wagen sie sich von sich aus selten.

Was steckt hinter dem Mythos, dass Kühe nicht schwimmen können?

Im Netz hält sich hartnäckig die Behauptung, Rinder könnten nicht schwimmen. Rinder besitzen, wie andere Säugetiere, ausreichenden Auftrieb und koordinierte Schwimmbewegungen. Die Behauptung, sie würden „voll Wasser laufen“, entbehrt jeder veterinärmedizinischen Grundlage.

Wie kühlen Kühe sich ab, und was hilft wirklich bei Hitzestress?

Kühe geben Körperwärme hauptsächlich über Atmung und Wärmestrahlung ab, weniger über Schwitzen. Ab etwa 24 °C Umgebungstemperatur und 70 % Luftfeuchtigkeit geraten Milchkühe in Hitzestress.Erste Folgen sind reduzierte Trockenmasseaufnahme, kürzere Wiederkauzeiten und sinkende Milchleistung. Anhaltender Hitzestress beeinträchtigt auch Fruchtbarkeit und Immunabwehr.

Auf der Weide suchen Rinder Schatten und nutzen flaches Wasser zur Kühlung. Im Betrieb helfen folgende Maßnahmen:

Maßnahme Wirkung Hinweis
Ventilatoren Verbessern Wärmeabgabe durch Luftbewegung und senken die gefühlte Temperatur Fress- und Liegebereich priorisieren; Luftgeschwindigkeit von mind. 2 m/s anstreben
Sprühanlagen (großtropfig) Kühlen die Körperoberfläche direkt durch Verdunstungskälte In Kombination mit Ventilatoren am wirksamsten; Feinnebel meiden, er erhöht die Luftfeuchtigkeit.
DIY-Kuhdusche Kühlt Körperoberfläche durch direkten Wasserauftrag Anleitung: DIY Kuhdusche im Betrieb
Ausreichend Tränken Decken erhöhten Wasserbedarf und stabilisieren den Stoffwechsel Aufnahme steigt in Hitzeperioden deutlich an
Fütterungsanpassung Kompensiert reduzierte Trockenmasseaufnahme und senkt die Wärmebildung durch Verdauung Energiedichte der Ration leicht erhöhen, gleichzeitig nicht in die Azidose füttern; strukturreiches Futter reduzieren, da Rohfaserverdauung Wärme erzeugt
Ergänzungsfuttermittel Stützen Energie- und Mineralstoffversorgung PerformaNat EnergieBolus bei erhöhtem Ketoserisiko oder PerformaNat PansenFit bei erhöhtem Azidoserisiko

Einen ausführlichen Überblick über Symptome und Maßnahmen finden Sie in unserem Blogbeitrag Hitzestress bei Kühen: Symptome, Folgen und Maßnahmen für den Milchviehbetrieb.

Wo kann man schwimmende Kühe in Deutschland beobachten?

Ein bekanntes Beispiel in Deutschland sind die Galloway-Rinder auf der Halbinsel Graswarder vor Heiligenhafen in Schleswig-Holstein. Das Gebiet wird vom NABU-Naturschutzzentrum betreut, die robusten Galloways dienen der extensiven Beweidung der Salzwiesen. An heißen Sommertagen gehen die Tiere von sich aus ins Wasser, lassen sich dabei von vorbeifahrenden Segel- und Ruderbooten kaum beeindrucken. Ähnliches ist aus anderen Regionen bekannt: Schottische Hochlandrinder waten regelmäßig durch Gewässer, in den Niederlanden ziehen Rinder gelegentlich durch Polderkanäle.

Was haben Kühe mit Wasserbüffeln gemeinsam?

Hausrinder und Wasserbüffel (Bubalus bubalis) gehören beide zur Familie der Rinder (Bovidae). Ihr Verhältnis zum Wasser ist jedoch grundverschieden.

  • Wasserbüffel suchen Wasser aktiv auf: Sie suhlen sich in Schlamm und Flachwasser, schwimmen durch Kanäle und Flüsse und fressen Wasserpflanzen. In Süd- und Südostasien werden sie traditionell für die Bewirtschaftung überfluteter Reisfelder eingesetzt.
  • Hausrinder hingegen haben keine besondere Affinität zum Wasser und nutzen es höchstens gelegentlich zur Abkühlung.

Die unterschiedlichen Vorlieben für Wasser sind das Ergebnis langer Zucht und der unterschiedlichen Lebensräume: Wasserbüffel stammen aus den feuchten Regionen Süd- und Südostasiens, Hausrinder aus Grasland- und Steppenlandschaften.

„Big Swimming" – Flussüberquerungen im Wilden Westen

Dass Rinder auch größere Gewässer durchqueren können, ist historisch gut belegt. Auf den Viehtreibrouten des 19. Jahrhunderts in den USA mussten Cowboys ihre Herden regelmäßig durch reißende Flüsse treiben. Bei Hochwasser wurden solche Aktionen „Big Swimming" genannt. Die Tiere wurden von berittenen Cowboys geführt und schwammen teils breite Flussabschnitte eigenständig. In einigen Regionen der Welt wird diese Praxis bis heute angewendet, etwa in Marsch- und Inselgebieten.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich Hitzestress bei meinen Kühen? Typische Anzeichen sind:

  • erhöhte Atemfrequenz (über 60 Atemzüge pro Minute), Hecheln
  • deutlich reduzierte Futteraufnahme und kürzere Wiederkauzeiten
  • bevorzugtes Stehen statt Liegen (Wärmeabgabe über größere Körperfläche)
  • erhöhte Wasseraufnahme
  • bei anhaltendem Stress: ausbleibende Brunst, erhöhte Mastitisanfälligkeit

Welche Auswirkungen hat Hitzestress auf die Milchleistung? Hitzestress reduziert die Trockenmasseaufnahme, was direkt die Energieversorgung und damit die Milchleistung beeinträchtigt. Hinzu kommen hormonelle Veränderungen, die die Milchproduktion zusätzlich drosseln. Mehr dazu finden Sie in unserem Blogbeitrag Hitzestress bei Kühen.

Was ist die thermoneutrale Zone bei Milchkühen? Die thermoneutrale Zone liegt bei Milchkühen zwischen 4 und 16 °C. In diesem Bereich können Tiere ihre Körpertemperatur ohne besonderen Regulierungsaufwand konstant halten. Bereits ab 24 °C und hoher Luftfeuchtigkeit beginnt messbarer Hitzestress.

Nutzen Kühe Wasser aktiv zur Abkühlung? Auf der Weide ja: Kühe suchen bei Hitze flache Gewässer, Bäche oder Pfützen zur Kühlung auf. Im Stall übernehmen Ventilatoren und Sprühanlagen diese Funktion. Entscheidend ist außerdem eine ausreichende Wasserversorgung, da der Wasserbedarf unter Hitzestress deutlich ansteigt.