Milchfieber ist eine Stoffwechselstörung bei Milchkühen, die durch einen zu niedrigen Calciumspiegel im Blut nach der Kalbung entsteht. Für die Milchfieberprophylaxe eignen sich vor allem gut lösliche Calciumverbindungen. Doch nicht jede Calciumquelle wird von der Kuh gleich gut aufgenommen. Der Artikel zeigt, wie sich verschiedene Calciumverbindungen unterscheiden und welche Eigenschaften für eine wirksame Milchfieberprophylaxe entscheidend sind.
Milchkühe nehmen Calcium bereits zu etwa 50 % im Pansen auf. Weitere 35 % werden im Dünndarm und rund 15 % im Dickdarm absorbiert. Untersuchungen zur Calciumaufnahme beim Wiederkäuer beschreiben den Pansen deshalb als wichtigen Aufnahmeort für oral verabreichtes Calcium.Laut Untersuchungen erfolgt die Calciumaufnahme im Verdauungstrakt auf zwei Wegen:
Die aktive Aufnahme im Dünndarm erfolgt überwiegend über den Vitamin-D-Stoffwechsel. Im Pansen funktioniert dieser Mechanismus dagegen weitgehend Vitamin D unabhängig. Untersuchungen zum Calciumtransport im Pansen beschreiben dabei eine zentrale Rolle der TRP Kanäle.
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Für die orale Milchfieberprophylaxe werden verschiedene Calciumverbindungen eingesetzt. Sie unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Calciumgehalt, Löslichkeit und Verträglichkeit.
Damit Calcium aufgenommen werden kann, muss es als gelöstes Calciumion vorliegen. Verbindungen mit geringer Löslichkeit liefern trotz hohen Calciumgehalts oft nur wenig verfügbares Calcium.
| Calciumverbindung | Ca-Gehalt | Löslichkeit im Pansen | Eignung Milchfieberprophylaxe |
| Calciumchlorid | Sehr hoch | Sehr hoch (exotherm) | Bedingt geeignet (Verätzungsgefahr, kurze Wirkdauer) |
| Calciumformiat | Hoch | Sehr gut | Sehr gut geeignet |
| Calciumpropionat | Mittel | Gut | Gut geeignet |
| Calciumacetat | Mittel | Gut | Gut geeignet |
| Calciumsulfat | Mittel | Gering | Nur in Kombination sinnvoll |
| Calciumcarbonat | Sehr hoch | Im Pansen unlöslich | Nicht geeignet |
| Calciumhydroxid | Hoch | Im Pansen unlöslich | Nicht geeignet |
| Calciumstearat | Gering (5,5-fach weniger als CaCl₂) | Schlecht | Nicht geeignet |
Abbildung 1: Calciumgehalte und Löslichkeit von verschiedenen Calciumquellen
Das Ziel der oralen Calciumprophylaxe ist es, den Blutcalciumspiegel nach der Kalbung stabil zu halten. Studien belegen, dass die Wahl der Calciumquelle dabei entscheidend ist:
Mehr zum Calciumbedarf der Kuh und zur Rolle des Calciumstoffwechsels lesen Sie im Artikel „Welche Auswirkungen hat eine schlechte Calciumversorgung um die Geburt auf die Fruchtbarkeit meiner Herde?".
Calciumchlorid löst sich exotherm auf, das heißt, bei der Auflösung wird Wärme freigesetzt. Diese Reaktion kann Verbrennungen und Verätzungen der Maul- und Pansenschleimhäute verursachen. Zudem bewirkt Calciumchlorid zwar einen schnellen, aber nur kurzen Anstieg des Blutcalciumspiegels. Ohne eine ergänzende Calciumquelle mit verzögerter Freisetzung, zum Beispiel Calciumsulfat, kann der Spiegel anschließend wieder abfallen und es trotz Behandlung zur Hypocalcämie, also einem Calciummangel im Blut, kommen.
Phytogene Zusatzstoffe können die aktive Calciumaufnahme im Pansen unterstützen. Dazu gehören bestimmte pflanzliche Inhaltsstoffe, die sogenannte TRP-Kanäle stimulieren.
Diese Transportkanäle ermöglichen die aktive Aufnahme von Calcium durch die Pansenwand. Untersuchungen beschreiben, dass bestimmte phytogene Wirkstoffe die Aktivität dieser Kanäle steigern können. Dadurch kann die Calciumaufnahme auch dann verbessert werden, wenn die Calciumkonzentration im Pansen bereits sinkt.
Ein wirksamer CalciumBolus sollte mehrere Anforderungen erfüllen:
Welche Calciumverbindung eignet sich am besten für die Milchfieberprophylaxe? Calciumformiat, Calciumpropionat und Calciumacetat sind am besten geeignet. Sie lösen sich gut im Pansen, haben einen soliden Calciumgehalt und heben den Blutcalciumspiegel konstant über einen längeren Zeitraum an. Calciumchlorid wirkt schnell, birgt aber das Risiko von Schleimhautverätzungen und hat nur eine kurze Wirkdauer.
Warum ist Calciumcarbonat für die Milchfieberprophylaxe ungeeignet? Calciumcarbonat löst sich im Pansen kaum auf. Es gelangt erst im Labmagen in Lösung, fällt aber im anschließenden Dünndarm durch Puffersubstanzen des Zwölffingerdarms wieder aus und wird größtenteils ungenutzt ausgeschieden. Studien zeigen keinen wirksamen Anstieg des Blutcalciumspiegels beim Einsatz dieser Verbindung.
Wie behandelt man Milchfieber bei Kühen? Bei klinischem Milchfieber (Hypocalcämie) wird Calcium intravenös verabreicht, um den Blutcalciumspiegel schnell anzuheben. Zur Vorbeugung empfiehlt sich die orale Gabe geeigneter Calciumpräparate rund um die Kalbung. Der PerformaNat CalciumBolus ist speziell für diese Prophylaxe entwickelt worden.
Was sind die häufigsten Stoffwechselerkrankungen bei Milchkühen? Milchfieber (Hypocalcämie), Ketose, Mastitis, Metritis und Labmagenverlagerung gehören zu den häufigsten Erkrankungen rund um die Kalbung. Calciummangel wirkt dabei häufig als gemeinsamer Auslöser. Wer das Risiko für Ketose zusätzlich minimieren möchte, findet beim PerformaNat EnergieBolus eine ergänzende Prophylaxeoption.
Welche Lösungen gibt es gegen Stoffwechselerkrankungen bei Milchkühen? Neben einem gezielten Fütterungsmanagement in der Transitphase ist die orale Calciumprophylaxe rund um die Kalbung eine der wirksamsten Maßnahmen. Entscheidend ist die Wahl einer gut löslichen Calciumquelle wie Calciumformiat in ausreichender Menge.