Das Shamonda-like-Virus ist ein im Sommer 2026 neu in Europa aufgetretener, mit dem Schmallenberg-Virus verwandter Erreger, der bei Milchkühen aktuell vor allem milde, nicht tödliche Symptome auslöst, während die Auswirkungen auf tragende Tiere noch offen sind. Betriebe sollten jetzt vor allem konsequenten Gnitzenschutz umsetzen und Verdachtsfälle den zuständigen Untersuchungseinrichtungen melden.
Das Shamonda-Virus gehört zur Simbu-Serogruppe der Orthobunyaviren, zu der auch das Schmallenberg-Virus und das Akabane-Virus zählen. Es ist kein neuer Erreger im eigentlichen Sinn, sondern seit den 1960er Jahren aus Afrika und Japan bekannt. Im Sommer 2026 trat erstmals eine europäische Variante auf, die laut einer aktuellen Studie des Friedrich-Loeffler-Instituts zu 93 Prozent im L- und M-Segment sowie zu 97 Prozent im S-Segment mit dem afrikanischen Shamonda-Virus übereinstimmt. Getestet wurde dabei ausdrücklich auch auf das Schmallenberg-Virus, mit durchgehend negativem Ergebnis. Es handelt sich also nachweislich um einen eigenständigen Erreger und nicht um eine Variante von SBV. Das Genom besteht aus drei Segmenten, dabei ist vor allem das für die Immunantwort relevante M-Segment deutlich unterschiedlich zum Schmallenberg-Virus, eine bestehende SBV-Immunität schützt Kühe also vermutlich nicht vor einer Infektion mit dem Shamonda-Virus.
Landwirte und Tierärzte in Süddeutschland und der Schweiz beobachten seit Mitte Juni 2026 eine auffällige, hoch ansteckende Erkrankung bei Milchkühen. Bereits bis Ende Juli waren dem Rindergesundheitsdienst in Baden-Württemberg deutlich über 100 Betriebe gemeldet, bei denen bis zu 100 Prozent der Tiere betroffen waren. Das Friedrich-Loeffler-Institut identifizierte den Erreger am 3. August 2026 anhand von Proben aus vier betroffenen Betrieben. Am 17. August 2026 meldete das Institut, dass sich das Virus inzwischen auch auf Rheinland-Pfalz und Hessen ausgebreitet hat und dass erste Sequenzvergleiche nahelegen, dass die Fälle in der Schweiz und Frankreich vom selben Virus stammen. Der genaue Zeitpunkt der Einschleppung nach Europa wird laut Institut noch untersucht, weitere Fälle in zusätzlichen Bundesländern gelten als wahrscheinlich.
Am 1.9.2026 gab das FLI bekannt, dass eine weitere Virus-Variante im Nordwesten und Osten Deutschlands nachgewiesen werden konnte. Diese Variante wird als SHAV-EU2 bezeichnet, die erste Variante aus dem süddeutschen Raum als SHAV-EU1. Es handelt sich nach aktuellem Kenntnisstand um zwei unabhängige Seuchenereignisse. Ob die Tiere nach einer überstandenen Infektion mit einer Variante vor der anderen geschützt sind, ist bisher unklar.
Übertragen wird das Virus durch Gnitzen der Gattung Culicoides, dieselben blutsaugenden Mücken, die auch das Schmallenberg-Virus und die Blauzungenkrankheit verbreiten. Eine relevante direkte Übertragung von Tier zu Tier ist nicht belegt. Die Gnitzensaison beginnt in Deutschland witterungsabhängig im April oder Mai und dauert bis etwa Ende November, die höchste Aktivität liegt zwischen Juli und Oktober. Mit steigenden Temperaturen und ausreichender Luftfeuchtigkeit nehmen sowohl die Vitalität der Gnitzen als auch die Virusvermehrung in der Mücke zu, wodurch sich die Virusbelastung im Jahresverlauf zunehmend aufschaukeln kann. Eine schnelle weitere Ausbreitung wird deshalb erwartet.
Erkrankte Rinder zeigen Fieber, teils über 41 Grad Celsius, einen Rückgang der Wiederkauaktivität, deutlich reduzierte Milchleistung und Futteraufnahme sowie teilweise wässrigen Durchfall. Die Symptomatik tritt fast ausschließlich bei laktierenden Milchkühen auf. Bei erwachsenen Tieren gilt der Verlauf meist als mild bis moderat, nach zwei bis drei Wochen klingen die Symptome in der Regel ab, Todesfälle wurden bislang nicht offiziell dokumentiert. Zusätzliche Belastungen wie Hitzestress können die Symptome laut dem Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt Aulendorf deutlich verstärken.
Das ist der Punkt, an dem aktuell am meisten Vorsicht geboten ist, gerade weil hier noch vieles offen ist. Bei anderen Viren der Simbu-Serogruppe wie dem Schmallenberg-Virus kann eine Infektion des Muttertiers während eines empfindlichen Trächtigkeitsfensters über die Plazenta auf den Fötus übergehen und zu Aborten, Totgeburten oder Fehlbildungen wie dem sogenannten Arthrogrypose-Hydranenzephalie-Syndrom führen. Ob dies auch für das neu aufgetretene Shamonda-Virus gilt, lässt sich nach Angaben von Friedrich-Loeffler-Institut und STUA Aulendorf derzeit ausdrücklich nicht abschätzen. In Baden-Württemberg ist bislang keine signifikant erhöhte Sterblichkeits- oder Abortrate bei Rindern zu beobachten. Aborte, Totgeburten und missgebildete Kälber aus möglicherweise betroffenen Herden sollten deshalb besonders aufmerksam untersucht werden.
Klassische Bekämpfungsmaßnahmen bieten laut Friedrich-Loeffler-Institut keinen zuverlässigen Schutz vor dem Virus selbst, der Schutz vor Gnitzen senkt das Infektionsrisiko trotzdem spürbar.
Konkret können Sie als Betrieb an folgenden Stellen ansetzen:
Daneben spielt die allgemeine Widerstandsfähigkeit der Kühe eine Rolle, vor allem über Futterhygiene, eine höhere Vorlagefrequenz, faserreiches Futter und die Reduktion von Hitzestress.