Calciummangel mindert die Wiederkauaktivität bei Milchkühen
Das Wichtigste in Kürze
- Calciummangel und Wiederkauaktivität hängen bei Kühen direkt zusammen. Sinkt der Blutcalciumspiegel, nimmt das Wiederkauen messbar ab.
- Kühe mit subklinischem Calciummangel kauen am Tag der Kalbung rund 77 Minuten weniger wieder. Das entspricht einem Rückgang von etwa 30 Prozent.
- Bei einem Blutcalciumspiegel von ca. 1,3 mmol/l (5,2 mg/dl) stellten die Kühe das Wiederkauen vollständig ein.
- Verminderte Wiederkauaktivität erhöht das Risiko für Pansenazidose, Ketose und Labmagenverlagerung.
- Eine gezielte Calciumprophylaxe rund um die Kalbung schützt vor Milchfieber, und stabilisiert gleichzeitig auch die Pansengesundheit.
Calciummangel reduziert die Wiederkauaktivität von Milchkühen nachweislich um bis zu 30 Prozent. Das belegen Studien, bei denen Kühe im Transitzeitraum mit Wiederkausensoren ausgestattet und parallel der Blutcalciumspiegel gemessen wurden. Da Wiederkauen die Grundlage für eine stabile Pansengesundheit und ausreichende Nährstoffversorgung bildet, wirkt sich ein niedriger Calciumspiegel direkt auf die Tiergesundheit in der kritischsten Phase der Laktation aus.
Warum ist Wiederkauen so wichtig für die Pansengesundheit?
Wiederkauen ist für Milchkühe ein lebenswichtiger Verdauungsprozess, der täglich 8 bis 10 Stunden in Anspruch nimmt. Dabei zerkleinert die Kuh strukturwirksames Futter wie Heu, Stroh und Silagen, während bis zu 250 Liter Speichel in den Pansen gelangen. Speichel enthält Puffersubstanzen, die die bei der Fermentation entstehenden kurzkettigen Fettsäuren neutralisieren und den pH-Wert im Pansen konstant halten.
Sinkt die Wiederkauaktivität ab, fällt der pH-Wert im Pansen. Die Folge ist eine Pansenazidose (Übersäuerung des Pansens), die die Fermentation beeinträchtigt. Besonders in der Transitphase, in der ohnehin das höchste Erkrankungsrisiko besteht, ist das kritisch.
Wie hängen Blutcalciumspiegel und Wiederkauaktivität der Kuh zusammen?
Ein sinkender Blutcalciumspiegel vermindert die Wiederkauaktivität direkt, weil die Muskelkontraktion im Pansen calciumabhängig ist. Damit Futter aus dem Pansen zurück ins Maul transportiert werden kann, muss die Pansenmuskulatur aktiv kontrahieren. Fehlt Calcium, arbeitet diese Muskulatur eingeschränkt.
Dieser Zusammenhang wurde in einer Studie von Goff, Hohman und Timms (2020) im Journal of Dairy Science untersucht. Kühe wurden im Transitzeitraum mit Wiederkausensoren ausgestattet und der Blutcalciumspiegel parallel gemessen. Das Ergebnis war eindeutig. Je niedriger der Calciumspiegel, desto weniger kauten die Tiere wieder.
Bei einem Blutcalciumspiegel von ca. 1,3 mmol/l (5,2 mg/dl) stellten die Kühe das Wiederkauen vollständig ein. Auf diesem Niveau liegen die meisten Kühe bereits fest, was dem klinischen Bild von Milchfieber entspricht. Kühe, die nach Calciuminfusion und Gabe eines CalciumBoluses wieder aufstanden, zeigten noch bis zu 2 Tage lang eine stark verminderte Wiederkauaktivität.
Auswirkungen von subklinischem Calciummangel auf die Wiederkauaktivität
Subklinischer Calciummangel bezeichnet einen Blutcalciumspiegel unter 2 mmol/l (8 mg/dl), ohne dass sichtbare Symptome auftreten. Die Auswirkungen auf die Wiederkauaktivität sind trotz fehlender Symptome erheblich und messbar.
| Zeitpunkt | Reduktion der Wiederkauaktivität |
| Tag der Kalbung | 77 Minuten weniger (rund 30 Prozent) |
| Tag nach der Kalbung | 55 Minuten weniger (rund 15 Prozent) |
Diese Zahlen stammen aus der Studie von Goff et al. (2020). Eine Reduktion von 77 Minuten ist ein erheblicher Einschnitt in die Pansengesundheit, gerade zu Beginn der Laktation, wenn eine optimale Futteraufnahme für Milchleistung und Gesundheit entscheidend ist. Betroffen von subklinischem Calciummangel sind laut aktuellen Studien 30 bis 50 Prozent der mehrkalbenden Kühe.
Mehr zu den Grundlagen des Calciumhaushalts bei Kühen lesen Sie im PerformaNat Blog.
Kann man Erkrankungen an der Wiederkauaktivität frühzeitig erkennen?
Ja, verminderte Wiederkauaktivität tritt bereits 1 bis 2 Tage vor sichtbaren klinischen Symptomen auf. Eine Studie von Soriani, Trevisi und Calamari (2012) im Journal of Animal Science belegt, dass Kühe 1 bis 2 Tage vor dem Auftreten der klinischen Symptome von Metritis, Ketose oder Labmagenverlagerung deutlich weniger wiederkauen als gesunde Tiere. Wiederkausensoren ermöglichen es, diese Veränderungen zu erkennen, bevor Symptome sichtbar werden.
Physiologisch sinkt die Wiederkauaktivität um den Kalbezeitpunkt um bis zu 70 Prozent ab. Das ist normal. Problematisch wird es allerdings, wenn diese Reduktion länger anhält als üblich. Dann verschlechtern sich Futteraufnahme, Pansenfermentation und Nährstoffversorgung, was in der Transitphase Risikofaktoren sind, die sich gegenseitig verstärken.
Welche Folgen hat anhaltend verminderte Wiederkauaktivität?
Anhaltend verminderte Wiederkauaktivität in der Transitphase erhöht das Risiko für mehrere Erkrankungen gleichzeitig. Ohne ausreichendes Wiederkauen fehlt der Speichelpuffer im Pansen, die Fermentation stockt und die Futteraufnahme sinkt.
| Folgeerkrankung | Mechanismus |
| Pansenazidose | Durch fehlende Speichelpufferung sinkt der Pansen-pH-Wert |
| Ketose | Sinkende Futteraufnahme verstärkt die negative Energiebilanz und fördert Körperfettmobilisation und Ketonkörperbildung |
| Labmagenverlagerung | Verminderte Pansen- und Darmmotorik begünstigt die Verlagerung |
| Reduzierte Milchleistung | Beeinträchtigte Nährstoffversorgung in der kritischen Startphase |
Da selbst subklinischer Calciummangel die Wiederkauaktivität um bis zu 30 Prozent senkt, ist eine Calciumprophylaxe rund um die Kalbung eine der wirksamsten Maßnahmen für einen stabilen Laktationsstart. Weitere Zusammenhänge zwischen Calciummangel und Folgeerkrankungen finden Sie im Artikel zum Calciumhaushalt bei Kühen.
Wie schützt eine Milchfieberprophylaxe die Wiederkauaktivität?
Eine gezielte Calciumprophylaxe rund um die Kalbung schützt nicht nur vor Milchfieber, sondern stabilisiert über die Pansenmotorik auch die Wiederkauaktivität. Da Muskelkontraktionen in Pansen und Darm calciumabhängig sind, sorgt ein ausreichender Calciumspiegel dafür, dass Wiederkauen, Pansenmotorik und Futteraufnahme auch in der kritischen Phase rund um die Kalbung erhalten bleiben.Wirksam ist ein zweigleisiger Ansatz: Fütterungsmanagement in der Trockenstehphase zur Vorbereitung des Calciumstoffwechsels sowie die gezielte Gabe eines CalciumBolus rund um den Kalbezeitpunkt, um den akuten Mehrbedarf zuverlässig zu decken.
Calciumprophylaxe, die Wiederkauaktivität und Pansengesundheit schützt
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Häufige Fragen zu Calciummangel und Wiederkauaktivität
Wie stark senkt subklinischer Calciummangel die Wiederkauaktivität bei Kühen? Kühe mit subklinischem Calciummangel kauen am Tag der Kalbung rund 77 Minuten weniger wieder. Das entspricht einem Rückgang von etwa 30 Prozent. Am Folgetag liegt die Wiederkauaktivität noch immer rund 55 Minuten (ca. 15 Prozent) unter dem Normalwert.
Ab welchem Calciumspiegel hört eine Kuh mit dem Wiederkauen auf? Bei einem Blutcalciumspiegel von ca. 1,3 mmol/l (5,2 mg/dl) stellt die Kuh das Wiederkauen vollständig ein. Auf diesem Niveau kann das Tier nicht mehr stehen, was dem klinischen Bild von Milchfieber mit Festliegen entspricht.
Kann ich Calciummangel an der Wiederkauaktivität erkennen? Ja, verminderte Wiederkauaktivität ist ein frühes Zeichen für Calciummangel, auch in der subklinischen Form ohne sichtbare Symptome. Wiederkausensoren ermöglichen es, diese Reduktion zu erkennen, bevor klinische Anzeichen auftreten. Der Normalwert variiert individuell, liegt im Schnitt bei 8 bis 10 Stunden Wiederkauen pro Tag.
Warum senkt Calciummangel die Wiederkauaktivität? Die Pansenmuskulatur muss kontrahieren, um Futter zurück ins Maul zu transportieren. Diese Muskelkontraktion ist calciumabhängig. Sinkt der Calciumspiegel im Blut, steht weniger Calcium für diese Prozesse zur Verfügung, die Pansenmuskulatur arbeitet eingeschränkt und die Wiederkaufrequenz nimmt ab.
Wie lange ist die Wiederkauaktivität nach klinischem Milchfieber reduziert? Kühe, die aufgrund von klinischem Milchfieber festgelegen und nach Calciuminfusion sowie Gabe eines CalciumBolus behandelt wurden, zeigten noch bis zu 2 Tage nach dem Aufstehen eine stark verminderte Wiederkauaktivität.
Welchen Normalwert hat die Wiederkauaktivität bei gesunden Kühen? Gesunde Kühe kauen täglich 8 bis 10 Stunden wieder, wobei es fütterungsbedingte und individuelle Schwankungen gibt. In diesem Zeitraum produzieren sie bis zu 250 Liter Speichel, der den Pansen-pH-Wert stabilisiert und eine optimale Fermentation sichert.
Quellenangaben:
Goff, J.P., Hohman, A., and Timms, L.L. (2020). Effect of subclinical and clinical hypocalcemia and dietary cation-anion difference on rumination activity in periparturient dairy cows. Journal of Dairy Science 103, 2591–2601.
Soriani, N., Trevisi, E., and Calamari, L. (2012). Relationships between rumination time, metabolic conditions, and health status in dairy cows during the transition period1. J ANIM SCI 90, 4544–4554.