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Zwei Fleischrinder liegen im tiefen Schnee auf einer verschneiten Winterweide hinter einem Weidezaun, im Hintergrund steht eine kleine Herde im Freien.

Kühe scheren im Winter: Wann es sinnvoll ist und worauf Sie achten sollten

Das Wichtigste in Kürze

  • Schwitzen trotz Kälte: Hochleistende Milchkühe erzeugen im ersten Laktationsdrittel rund 1.500 Watt Eigenwärme. Bei unzureichender Luftbewegung im Stall staut das Winterfell diese Wärme – auch im Kaltstall geraten Kühe deshalb ins Schwitzen.
  • Ektoparasiten: Das Scheren entzieht Räudemilben und Haarlingen ihren Lebensraum im dichten Winterfell und macht antiparasitäre Behandlungen effektiver. Starker Befall senkt Futteraufnahme und Milchleistung.
  • Atemwegsrisiko: Schwitzende Kühe erkranken bei gleichzeitiger Zugluft häufiger an Atemwegserkrankungen. Eine Schur senkt dieses Risiko, sofern der Stall ausreichend vor direkter Witterung schützt.
  • Prioritätsbereiche: Rücken, Schwanzansatz, Sitzbeinhöcker und Euter haben beim Scheren die höchste Priorität.
  • Wann verzichten? In offen gebauten Ställen ohne ausreichenden Wind- und Wetterschutz ist eine vollständige Schur nicht ratsam. Eine Teilschur an Rücken und Euter ist dann der richtige Kompromiss.

In geschützten Kaltställen lohnt sich das Scheren von Milchkühen im Winter in den meisten Fällen. Wann eine Schur sinnvoll ist, welche Körperstellen Priorität haben und welches Gerät passt, lesen Sie hier.

Warum können Milchkühe im Kaltstall trotzdem ins Schwitzen geraten?

Milchkühe geraten im Kaltstall ins Schwitzen, weil ihr Stoffwechsel im ersten Laktationsdrittel rund 1.500 Watt Wärme produziert, vergleichbar mit einem leistungsstarken Heizkörper. Reicht die Luftbewegung im Stall nicht aus, um diese Wärme abzuführen, staut das dichte Winterfell sie an der Körperoberfläche.Das gilt besonders bei hoher Stallbelegung und erhöhter Luftfeuchtigkeit. Mehr zu den saisonalen Auswirkungen auf Milchkühe lesen Sie in unserem Blogartikel zu Hitzestress: Symptome, Folgen und Maßnahmen.

 

Welche Rolle spielen Ektoparasiten beim Scheren im Winter?

Das Scheren reduziert den Ektoparasitenbefall erheblich, weil das kurze Fell den Lebensraum für Parasiten reduziert und Behandlungen besser an die Haut gelangen. Besonders häufig treten folgende Parasiten auf:

  • Räudemilben (Chorioptes bovis, Psoroptes ovis): befallen bevorzugt Schwanzansatz, Sitzbeinhöcker und Flanke
  • Haarlinge (Bovicola bovis): besiedeln vor allem Hals, Rücken und Schwanzbereich

Bei starkem Befall zeigen betroffene Tiere Juckreiz und Unruhe und scheuern sich. Das kann Futteraufnahme und Leistung beeinträchtigen, bei Milchkühen insbesondere die Milchleistung.

 

Wann ist das Scheren im Winter besonders sinnvoll?

Das Scheren im Winter ist besonders sinnvoll in Kaltställen mit Witterungsschutz, bei hoher Stallbelegung, während der Schneeschmelze und in Roboterbetrieben. Die folgende Übersicht zeigt, bei welchen Bedingungen eine Schur empfehlenswert ist:

Stallsituation oder Betriebsfaktor Warum das Scheren hier sinnvoll ist
Kaltstall mit ausreichend Wind- und Wetterschutz Der Kälteschutz bleibt erhalten, und das Winterfell staut keine überschüssige Wärme mehr
Hohe Stallbelegung und erhöhte Luftfeuchtigkeit Das dichte Fell hält Feuchtigkeit im Fell und begünstigt Hautprobleme und Atemwegserkrankungen
Schneeschmelze und Tauwetter Die stark steigende Luftfeuchtigkeit lässt ungeschorene Tiere häufig schwitzen
Ektoparasitenbefall oder geplante Prophylaxe Die Schur entzieht Parasiten den Lebensraum und macht Behandlungen effektiver
Roboterbetrieb Kurzes Euterfell verbessert die Zitzenerkennung des Melkroboters zuverlässig

Besonders kritisch ist die Schneeschmelze im späten Winter: Wenn der Frost aus dem Boden taut, steigt die relative Luftfeuchtigkeit in vielen Ställen deutlich an. Ungeschorene Tiere, die Wärme durch das Fell stauen, sind in dieser Phase anfälliger für Atemwegserkrankungen.

 

Welche Körperstellen sollten beim Scheren Priorität haben?

Wenn nicht der gesamte Körper geschoren werden kann, haben Rückenpartie, Schwanzansatz, Sitzbeinhöcker und Euter die höchste Priorität, weil sie die größte Wirkfläche bei Wärmeabgabe und Parasitenbefall bieten:

  • Rückenpartie: Größte Wirkfläche für die Wärmeabgabe, sollte als erstes geschoren werden.
  • Schwanzansatz und Sitzbeinhöcker: Bevorzugte Befallsstellen für Räudemilben und Haarlinge. Schur hat hier prophylaktische Priorität.
  • Hinterbeine: Reduziert Klattenbildung und verbessert die Hygiene im Liegebereich.
  • Euter: In Roboterbetrieben nahezu unerlässlich. In konventionellen Betrieben verbessert die Euterschur die Sauberkeit und erleichtert das Anrüsten.

 

Welches Gerät eignet sich zum Scheren von Kühen im Winter?

Für den regelmäßigen Einsatz bei größeren Tierbestände empfiehlt sich eine Akkuschermaschine. Für gelegentliche Schuren kleinerer Bestände ist hingegen eine kabelbetriebene Maschine die wirtschaftlichere Wahl.

  • Akkuschermaschine: Erste Wahl bei größeren Tierzahlen und regelmäßigem Einsatz. Kein Kabel erleichtert die Arbeit bei unruhigen Tieren und reduziert das Verletzungsrisiko im Gülle- und Mistbereich.
  • Kabelbetriebene Schermaschine: Günstigere Option für gelegentliche Schuren kleinerer Tierbestände. Leistung bei Dauerbetrieb oft höher als beim Akku, aber kann wegen des Kabels unpraktisch sein.
  • Schermesser mit geringerer Zahnzahl: Sinnvoll bei stark verfilztem Fell oder Klattenbildung. Das Ergebnis ist gröber, aber das Messer arbeitet sich leichter durch verbackenes Fell durch.

 

Was gilt für Kälber und Jungrinder?

Kälber und Jungrinder sollten geschoren werden, wenn sie auffällige Schweißflecken im Fell zeigen oder sich übermäßig scheuern. Sie regulieren ihre Körpertemperatur schlechter als adulte Kühe und sind bei hoher Luftfeuchtigkeit in Gruppenaufstallung anfällig für Wärmestau.Eine Teilschur der Rückenpartie ist dabei der sinnvolle erste Schritt.

Pansen schützen, wenn die Futteraufnahme leidet

Tiere, die durch Parasitenbefall oder eine Atemwegserkrankung geschwächt waren, zeigen häufig eine verzögerte Erholung der Pansenfermentation. Der PerformaNat PansenFitBolus unterstützt die Wiederherstellung einer stabilen Fermentation und hilft, die Futteraufnahme zügig zu normalisieren.

Häufige Fragen zum Scheren von Kühen im Winter

Warum werden Kühe im Winter geschoren, obwohl es kalt ist? Im Kaltstall können Milchkühe trotz Wintertemperaturen ins Schwitzen geraten, weil sie durch ihren Stoffwechsel selbst rund 1.500 Watt Wärme erzeugen. Reicht die Luftbewegung im Stall nicht aus, staut das Winterfell die Hitze. Das Scheren schafft in solchen Situationen Abhilfe.

Schadet das Scheren im Winter der Gesundheit der Kuh? Nein, sofern der Stall ausreichend vor direkter Witterung geschützt ist. In sehr offen gebauten Ställen ohne Witterungsschutz sollte auf die vollständige Schur verzichtet werden. Eine Teilschur an Rücken, Schwanz und Euter ist dann ein sinnvoller Kompromiss.

Welche Ektoparasiten befallen Rinder im Winter besonders häufig? Im Winter treten vor allem Haarlinge und Räudemilben auf. Sie finden im dichten Winterfell optimale Bedingungen und befallen bevorzugt Schwanzansatz, Sitzbeinhöcker und Hals. Das Scheren entzieht ihnen den Lebensraum und erleichtert eine anschließende Behandlung.

Sollte das Euter im Winter grundsätzlich geschoren werden? In Roboterbetrieben ist die Euterschur nahezu unerlässlich, weil zu viel Fell die Zitzenerkennung des Melkroboters beeinträchtigt. In konventionellen Betrieben verbessert ein kurz geschorenes Euter die Hygiene und erleichtert das Anrüsten vor dem Melken.

Wann lohnt sich eine Akkuschermaschine? Eine Akkuschermaschine empfiehlt sich für Betriebe, die regelmäßig mehrere Tiere scheren. Der entscheidende Vorteil ist die fehlende Kabelführung: Sie stört nicht bei unruhigen Tieren und ist kein Verletzungsrisiko im Bereich von Gülle und Mist. Für gelegentliche Schuren kleiner Tierbestände ist eine kabelbetriebene Maschine die günstigere Wahl.

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